
Luther ist zurück in Spieskappel
Ausstellung mit Werken von Renate Wandel in der Klosterkirche
Fast 500 Jahre nachdem Martin Luther auf seinem Weg zum Marburger Religionsgespräch in Spieskappel übernachtete, kehrt der Reformator nun noch einmal in die alte Klosterkirche zurück. Vom 24. Mai bis 27. September 2026 zeigt die Evangelische Kirchengemeinde Spieskappel-Frielendorf die Ausstellung „Blitzschlag! – Luther und Reformation“ der Bad Hersfelder Künstlerin Renate Wandel im Rahmen des 500jährigen Reformationsjubiläums in Hessen.
Die teils großformatigen Bilder setzen sich mit Leben, Denken und Wirkung Martin Luthers auseinander. Dabei greift die Ausstellung klassische Bildmotive der Reformationszeit auf und verbindet sie mit modernen künstlerischen Perspektiven. Zwischen expressiven Farben, abstrahierten Formen und eindrücklichen Szenen entsteht ein Zugang zur Reformation, der historisch verwurzelt und zugleich überraschend gegenwärtig wirkt.
Die meisten Werke entstanden in den Jahren zwischen 2012 und 2017. Seit ihrer ersten Präsentation beim „Festival der Reformation“ in Zeitz wurde die Ausstellung bundesweit bereits mehr als 22 Mal gezeigt und kontinuierlich erweitert. Für die Ausstellung in Spieskappel entsteht zudem eigens ein neues Werk, das Luthers Aufenthalt im ehemaligen Kloster thematisiert.
Renate Wandel, die Malerei, Bildhauerei und Baugeschichte an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin studierte, verbindet in ihren Arbeiten sakrale Themen, historische Stoffe und moderne Ausdrucksformen. Gerade deshalb entfalten ihre Bilder in der romanischen Klosterkirche eine besondere Wirkung zwischen Geschichte, Glauben und Gegenwart.
Historisch ist der Ort dafür besonders passend: Gesichert ist, dass Martin Luther vom 28. auf den 29. September 1529 im Kloster Spieskappel übernachtete. Klosterrechnungen belegen nicht nur seinen Aufenthalt, sondern auch die Versorgung von rund 40 Pferden seines Reisezuges. Auch auf seiner Rückreise machte Luther erneut Station in Spieskappel.
Pfarrer Marco Firnges sieht deshalb Ausstellung und Ort in besonderer Weise miteinander verbunden: „Die Bilder passen wunderbar in die historische romanische Kirche, als wären sie dafür gemacht.“
Gerade im Zusammenspiel mit den alten Mauern entsteht dabei ein besonderer Spannungsraum: Reformation erscheint hier nicht als fernes Geschichtskapitel, sondern als Bewegung voller Wucht, Zweifel und Aufbruch. Der Ausstellungstitel „Blitzschlag!“ erinnert dabei nicht zufällig an Luthers berühmtes Gewittererlebnis.
Die Klosterkirche selbst gehört zu den bedeutenden romanischen Kirchenbauten Hessens. Gerade in ihrem heutigen, von Jahrhunderten geprägten Zustand entfalten die Werke von Renate Wandel eine besondere Wirkung zwischen Geschichte, Glauben und Gegenwart.
Die Ausstellung wird am Pfingstsonntag, 24. Mai 2026, um 18 Uhr mit einer Vernissage, musikalischer Andacht sowie anschließender kleiner Feier eröffnet. Außerdem besteht an diesem Abend die Möglichkeit zu einer Führung durch die Ausstellung gemeinsam mit der Künstlerin.
Die Ausstellung ist anschließend bis zum 27. September täglich von 10 bis 17 Uhr sowie nach Absprache geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Foto: Die Künstlerin Renate Wandel (Mitte), Kirchenführer Jürgen Schwalenstöcker (rechts) und Pfarrer Marco Firnges (links) mit dem Titelbild zur Ausstellung „Blitzschlag“, vor der romanischen Klosterkirche Spieskappel
Klosterkonzert InCasse

Konzert im Mai

„Da Pacem Domine“
Chormusik zu Krieg und Frieden
Das Vokalensemble Venti Voci des Kirchenkreises Twiste-Eisenberg lädt ein zu einem Konzert mit Musik zu Krieg und Frieden am Samstag, dem 15. November 2025 um 18 Uhr in der Kirche in der Klosterkirche Spieskappel.
Das Ensemble besteht aus rund 20 engagierten und erfahrenen Sänger*innen, die viel Freude daran haben, in kleiner Besetzung zu musizieren. Zielsetzung des Vokalensembles ist es, in Projektphasen, anspruchsvolle, manchmal auch ausgefallene Chorwerke einzuüben und in Konzerten an verschiedenen Orten des Kirchenkreises und auch darüber hinaus vorzutragen. Das Repertoire des Ensembles reicht von frühbarocken Werken bis zur Popularmusik.
Im Konzert am 15. November erklingt Musik verschiedener Epochen und Stilrichtungen. Inhaltlich geht es in allen Stücken um das Thema Krieg und Frieden. Musikalisch werden die Zuhörer zwar mit dem schwierigen Thema konfrontiert, vor allem in der Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“ des Komponisten Rudolf Mauersberger, die nach der Zerstörung Dresdens 1945 entstand. Absicht und Ziel des Konzertes ist jedoch, Hoffnung und die Vision auf ein Leben in Frieden zu vermitteln. So erklingen alte und neue Vertonungen von „Da Pacem Domine“ und die trostspendende Motette „Die mit Tränen säen werden mit Freuden ernten“, ein wahres Klangjuwel des frühbarocken Großmeisters Heinrich Schütz.
Die Leitung hat Bezirkskantorin Ingrid Kammerer.
Der Eintritt für das Konzert ist frei, Spenden für die musikalische Arbeit aber gerne gesehen.
Interview mit dem neuen Kirchenführer in der Klosterkirche Spieskappel - Jürgen Schwalenstöcker

Wie sind Sie dazu gekommen, Kirchenführer in Frielendorf zu werden?
Der Vorgänger Herr Päthke war verstorben und dadurch ist das Amt vakant geworden. Ich habe gar nicht lange überlegen müssen, ich wusste direkt, dass diese Aufgabe etwas für mich ist.
Was motiviert Sie in Ihrer Tätigkeit als Kirchenführer?
Das Gebäude an sich. Die erhaltenswerte Klosterkirche ist für mich auch ganz wichtig, der christliche Glaube, der dort weitergegeben wird, denn die Kirche ist dazu da, Gottes Wort weiterzugeben.
Was bedeutet Ihnen der Glaube persönlich?
Der Glaube ist für mich eigentlich das Wichtigste.
Zitat: Im Hebräerbrief im 11. Kapitel im 1. Vers: Der Glaube ist die feste Zuversicht, die man hat durch das Versprechen von Jesus Christus, dass er für uns oben einen Platz frei hält.
Was sind die schönsten und herausforderndsten Aspekte Ihrer Aufgabe?
Das Zusammenkommen mit Menschen kann sehr schön sein, aber auch herausfordernd. Das Weitergeben von dem alten Wissen und dem Glauben ist auch ein sehr schöner Aspekt.
Was macht die Klosterkirche so einzigartig?
Das Gelände allgemein, der Platz wo sie steht und auch die Art und Weise, wie sie gebaut worden ist. Sie war ja früher viel größer als sie jetzt ist. Das ganze Dorf gehörte eigentlich zum Kloster. Das finde ich, macht sie so einzigartig.
Gibt es etwas Verstecktes in der Kirche, was man auf jeden Fall gesehen haben sollte?
Ich finde die vier bunten Fenster mit den Evangelisten, wenn man in die Klosterkirche reinkommt, ganz besonders. Der bewegliche Altar gefällt mir auch sehr gut – diese Dinge finde ich an unserer Klosterkirche ganz besonders.
Was würden Sie jemandem raten, der sich ebenfalls in der Kirche engagieren möchte?
Man muss auf jeden Fall etwas Einsatzfreude mitbringen und auch Zeit. Vor allem muss man auf Menschen zugehen können.
Das Interview mit Jürgen Schwalenstöcker wurde von unserem Praktikanten Toni Wieland verfasst. Aus dem Gemeindebrief Frielendorf, Februar 2025.
Jürgen Schwalenstöcker zeigt gerne interessierten Menschen die Klosterkirche, Kontakt: 05684-8769
